Was die Welt zusammenhält
Lessingstrasse 9, 8002 Zürich
29.1.–27.3.2026
Die Ausstellung ist ein Plädoyer für mehr Leim. «Was die Welt zusammenhält» handelt vom Klebstoff, den wir brauchen, damit uns nicht alles zerfällt. Sie handelt vom Kleber, den wir benötigen, damit wir die Dinge in unserem Leben zusammenhalten können und unsere Identität nicht zerbröselt. Und sie meint den Kitt, dank dem wir uns überhaupt um das Gegenüber kümmern und nicht nur in unseren eigenen Erinnerungen und Träumen leben.
Benedikt Bock, Friedrich Dürrenmatt, Sabine Hertig, Maya Hottarek, Goshka Macuga, Rémy Markowitsch, Andreas Tschappu, Rolf Winnewisser
Die Ausstellung ist ein Plädoyer für mehr Leim. «Was die Welt zusammenhält» handelt vom Klebstoff, den wir brauchen, damit uns nicht alles zerfällt. Sie handelt vom Kleber, den wir benötigen, damit wir die Dinge in unserem Leben zusammenhalten können und unsere Identität nicht zerbröselt. Und sie meint den Kitt, dank dem wir uns überhaupt um das Gegenüber kümmern und nicht nur in unseren eigenen Erinnerungen und Träumen leben.
Ausgangspunkt der Ausstellung ist das Werk des 1951 geborenen Andreas Tschappu. Roman Buxbaum, Künstler, Sammler und Kurator von tichyocean, ist vor ein paar Jahren auf den Zuger Künstler aufmerksam geworden. Tschappu kreiert seit den Achtzigerjahren in Zigarrenkistchen mit Collagen seine ureigenen Welten, bestehend aus Autogaragen, Discos und Coiffeursalons. Eine Traumwelt, die durchaus Erlebtem entspringt. Der Kunsthistoriker und Kurator Christoph Lichtin arbeitet zurzeit an einem Buch über Tschappu. So hat sich aus dem gemeinsamen Interesse eine Ausstellungsidee für tichyocean entwickelt, die selbst eine Collage ist.
Wie Andreas Tschappu verwenden viele Künstlerinnen und Künstler die Collage-Technik. Im Unterschied zu gemalten oder gezeichneten Bildern, die Motive von an sich Unzusammenhängendem zu einer neuen Realität vereinen, zeigt die Collage stets die Bruchstellen, Grenzen, Überlappungen. Immer wird deutlich, dass das Zusammenfügen als individuelle Möglichkeit verstanden werden muss und somit unmittelbar auf den Akt des Machens, auf den Kreator oder die Gestalterin verweist. Collagen sind Thesen zu unserer Welt, Behauptungen, bildhafte Erzählungen, manchmal Wünsche, bisweilen Albträume. Einer, der dies alles in brillanter Weise zu apokalyptischen Visionen verband, war Friedrich Dürrenmatt, ein Erzähler in Wort und Bild. Es ist vielleicht kein Zufall, dass weitere Künstlerinnen und Künstler der Ausstellung, die sich mit Collagen beschäftigen, auch literarisch tätig sind.
Die Ausstellung integriert zwei junge Positionen. Mit Maya Hottarek und Benedikt Bock bringen zwei vielversprechende Künstlerpersönlichkeiten Beiträge ein. Beide arbeiten skulptural, kreieren auch räumliche Konstellationen und erweitern so die Thematik in die dritte Dimension. Rolf Winnewisser ist ein Meister in allen Gattungen, ein Erzähler, dessen Werk nicht zu altern scheint. Er kann als Modell- und Brückenbauer in der Ausstellung eine spezielle Rolle als Bindeglied einnehmen. Sabine Hertig ist die zeitgenössische Meisterin der Collage schlechthin. Sie darf in der Ausstellung mit ihren bestechenden Collagen nicht fehlen. Schliesslich wurde in der Sammlung von tichyocean nach Spuren gesucht, die das Thema aufgreifen und erweitern. Rémy Markowitschs Arbeit «Schadenfreude» und Goshka Macugas raumfüllender Teppich, auf der Grundlage von Tichý-Fotografien entstanden, schlagen den Bogen zurück an den Ort und die Visionen von tichyocean.
Die Ausstellung versteht sich als ein Kommentar zur heutigen Zeit, in der Verbundenes auseinanderdriftet. Es braucht Kreativität, um Dinge zusammenzubringen und zusammenzuhalten, die nicht zusammenzupassen scheinen. Die Ausstellung behauptet, dass die Kunst dazu einen Beitrag leisten kann: die Kunst – ein Kleber der Gesellschaft.